Download Lyrik als Sprache unserer Zeit? Paul Celans Gedichtbände: by Otto Pöggeler PDF

By Otto Pöggeler

Das Verhältnis der Politik zur Kunst und speziell zur Dichtung ist immer schwierig gewesen. Das zeigt etwa die Beziehung der römischen Kaiser zu den Dichtern. Der preußische König Friedrich Wilhelm III. battle in seiner Nüchternheit eher indigniert, als Novalis in des Königs Ehe die Einigkeit im Staat vorgebildet sehen wollte. Konnten "Poeten" die Herrschenden hin­ weisen auf die wirkenden Mächte oder waren sie nicht umgekehrt deren Weisungen unterworfen? In unserem, dem zwanzigsten Jahrhundert prägte sich unauslöschlich ein, wie totalitäre Staaten Kunst und Poesie zu gängeln und zu manipulieren suchten. Die Revolution in Rußland warfare zuerst begleitet durch eine neue Dichtung und Kunst; doch deren Freiheit wurde bald brutal unterdrückt. Mit dem Nationalsozialismus verband sich die Vertreibung der führenden Dichter und Künstler und schließlich gar ein neuer Bildersturm. Die einstige DDR hatte einen Arbeitersohn wie Reiner Kunze direkt zum Dichter ausgebildet; er hat in der Tat in seinen Anfängen seinem Staat in erschreckenden Versen gehuldigt. Die Lyrik verlangt aber ein spontanes Sprechen; als dieses sich meldete, blieb dem Staat nur die Möglichkeit, seinen Dichter aus dem Lande hinauszuwerfen. Das battle dann wieder die alte Geschichte. Wenn die Demokratien die Teilung der Gewalten ausbauen, können sie auch Politik und Kunst trennen, additionally den Künsten ihren eigenen Spielraum lassen.

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Aufl. Frankfurt a. M. 1986. S. 55. 44 Otto Pöggelcr hin durchsichtig zu machen suchte, so wollte er die Celan-Forschung sichten und zu Interpretationsergebnissen führen. Die Interpreten, die dabei verarbeitet werden, erkennen sich allerdings in der durch und durch polemischen Rezeption nicht wieder, und ob etwas von Celans Dichten in die vorgebrachten Idiosynkrasien eingegangen ist, müßte jeweils im einzelnen geprüft werdenY Vor allem bleibt zweifelhaft, ob Celans Verständnis von Dichtung überhaupt getroffen ist.

Zur Entstehung der Eckhart-Trilogie vgl. Band 9 der Historisch-kritischen Ausgabe (s. Anm. 29). Celan schreibt sich die Eckhart-Passage vom Quittwerden Gottes und des Todes ab mit der Notiz: "Eckhart, von Landauer zitiert vor seiner Untersuchung" (Band 9, 2. S. 250). Lyrik als Sprache unserer Zeit? 39 Im Herbst 1969 konnte Celan auf Einladung des Israelischen Schriftstellerverbandes nach Israel reisen. Nach der Rückkehr entstand ein Zyklus von Gedichten, die Jerusalem gelten. Das elfte Gedicht spricht von der Posaune, die mit dem irdischen und dem himmlischen Jerusalem verbunden ist (IH, 104): DIE POSAUNENSTELLE tief im glühenden Leertext, in Fackelhöhe, im Zeitloch: hör dich ein mit dem Mund.

Der Segensritus war natürlich älter als die Prager Grabsteine. Die Hand mußte mit dem Handrücken nach oben gehalten werden; der kleine Finger und der Ringfinger, dann der Zeigefinger und der Mittelfinger wurden zusammengelegt, so daß ein Zwischenraum zwischen Mittelfinger und Ringfinger entstand. Diese Lücke wird im Gedicht als die Vier-finger-Furche angesprochen; aus ihr wühlt der Dichter sich den versteinerten Segen. Die Rede vom Wühlen in einer Furche ruft die zweite Bedeutung des Wortes "Gebräch" aus der Weid manns sprache wach: die Wildschweine wühlen mit dem Gebräch ihrer Hauer den Boden auf; diese Furchen werden ebenfalls als Gebräch angesprochen.

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